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19. November 2022

Wird es endlich wieder ruhig und lebendig im Nöttinger Ortskern?

Gemeinde gibt Nöttinger Ortsteilverbindungsstraße am Freitagnachmittag für den Verkehr frei


Auf einen Wecker konnte Heike Ratz aus Nöttingen bisher dank der Brummis vor ihrem Fenster getrost verzichten. Die Kaffeetasse wackelte ihr im Schrank förmlich entgegen. Das könnte sich nun endlich ändern: Am Freitagnachmittag gibt die Gemeinde Remchingen den dritten und entscheidenden Abschnitt der Ortsteilverbindungsstraße für den Verkehr frei. Das soll insbesondere bei den Anwohnern der verkehrsgeplagten Karlsbader Straße für Aufatmen sorgen. Etwa 10 000 Fahrzeuge schlängeln sich momentan täglich durch den Ort – gut 6 000 davon und insbesondere der Schwerlastverkehr sollen künftig über die neue Trasse westlich um Nöttingen herum rollen.

Schon in den Neunzigerjahren forderten die Anwohner eine Umgehung, erste Pläne diskutierte der Gemeinderat 2003 und konkretisierte sie 2010. Nach langen Verhandlungen erfolgte der Bau der ersten Abschnitte zeitgleich zum Autobahnausbau. Im März 2021 startete der dritte Abschnitt. Alleine dafür bewegten die Baumaschinen 41 000 Kubikmeter Erde, da die Trasse von der Lailingstraße herkommend in einer bis zu sechs Meter tiefen Schneise im Gelände liegt, wie Planer Michael Bauch verdeutlicht. Die dadurch entstandene Entschärfung für den Verkehr hat einen positiven Nebeneffekt: Erdwälle sorgen Bauamtsleiter Markus Becker zufolge gleichzeitig für den Lärmschutz, den die Gemeinde über die Vorgaben hinaus durch bis zu zweieinhalb Meter hohe, hochabsorbierende Lärmschutzwände sowie einen lärmmindernden Asphalt gewährleistet. Für Fußgänger und Radfahrer gibt es vier behindertengerecht markierte Querungshilfen. Neben der Anbindung des Striesterwegs führt eine Zufahrt bereits in das als Bauerwartungsland ausgewiesene Gelände zwischen Ortsrand und der neuen Straße. Ob, wann und in welchem Umfang es zur Bebauung kommt, obliegt dem neuen Flächennutzungsplan.

„Trotz der zuletzt in der Branche schwierigen Umstände sind wir im Kostenrahmen geblieben“, freuen sich die beiden Bauingenieure, die seit ihrer Arbeit in Remchingen Teil dieses Projekts sind. Die Baukosten des dritten Abschnitts betragen vorläufig rund 2,25 Millionen Euro, hinzu kommt die gut 2 500 Tonnen schwere Auerbachbrücke für 1,25 Millionen und lärmmindernde Maßnahmen für rund 300 000 Euro. Inklusive der ersten Abschnitte und Planungsleistungen betragen die vorläufigen Gesamtkosten rund zehn Millionen Euro, von denen das Land Baden-Württemberg etwa die Hälfte bezuschussen werde.

Prominenten Besuch bekam die Baustelle im Februar von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der sich ein Bild von der eingesetzten Digitalisierung machte – ein landesweites Pilotprojekt. Doch nicht immer lief der Straßenbau so glatt: 2017 legte eine Petition der IG „Alternativen zur Ortsumfahrung“ das Projekt lahm, indem der Landtagsbeschluss anderthalb Jahre auf sich warten ließ. Ein weiteres Jahr zog wegen Erschwernissen beim Flächenerwerb ins Land. Kritiker bemängelten immer wieder den hohen Flächenverbrauch zu Lasten von Landwirtschaft und Naturschutz, eine Verlagerung des Lärm-Problems zu anderen Wohngebieten, aber auch vollends das Aussterben der Läden.

„Wo Verkehr ist, ist auch Geschäft – und wo nicht, da nicht“, erinnert Gemeinderat Felix Casper an die Befürchtung eines der verbleibenden Ortshändler. Casper selbst hat lange für die Petition der IG gekämpft – die Ablehnung des Landtags aber anerkannt: „Wir gehen konstruktiv damit um, freuen uns über den nachgelegten Lärmschutz und warten ab, was die Straße bringt oder auch nicht.“ Auch Anwohnerin Heike Ratz bedauere zwar den Fläschenverbrauch: „Aber es gab einfach keine andere Lösung.“ Selbst ans Tempo 30 halte sich im Ort kaum jemand – weder Schilder, Kontrollen noch die selbstgeschnitzten 30er-Kürbisse vor ihrer Haustür würden da helfen: „Wir leben einfach auf dem Beschleunigungsstreifen und hoffen, dass es jetzt endlich ruhiger und vor allem weniger brenzlig für die Kinder wird.“



Feierliche Eröffnung: Treffpunkt zur Straßenfreigabe durch Regierungspräsidentin Sylvia Maria Felder ist am Freitag um 14 Uhr von der Lailingstraße her kommend etwa 300 Meter Richtung Aussiedlerhof. Parkmöglichkeiten gibt es im Wendehammer Lailingstrasse.

Weitere Entlastungsmöglichkeiten: Die Akzeptanz der neuen Trasse ist entscheidend für die Wirkung. Während durch Nöttingen bereits Tempo 30 gilt und die Gemeinde ein Verbot für Schwerlastverkehr mit Ausnahme von Anliegern beantragt hat, laufen schon Planungen zur Umgestaltung der Karlsbader Straße. Diese ist aber noch als Landesstraße ausgewiesen. Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon zufolge gab es schon erste Abstimmungen mit dem Regierungspräsidium mit dem Ziel einer Umwidmung, wodurch die Gemeinde freie Hand im Ortskern hätte. Ein vierter Trassenabschnitt könnte den Weg auf die Landstraße Richtung Keltern weiter verkürzen – ist aber noch nicht beschlossen.

jza

Freie Fahrt: Planer Michael Bauch (links) und Remchingens Bauamtsleiter Markus Becker freuen sich auf die Freigabe der Ortsteilverbindungsstraße um Nöttingen herum. Foto: Zachmann

Endliche Ruhe: Immer wieder kämpften Anwohner der Karlsbader Straße in Nöttingen für eine Entlastung vom Durchgangsverkehr – hier ein Bild aus dem Jahr 2016. Archiv: Zachmann

Bisher geht es in der Nöttinger Ortsdurchfahrt eng zu. Archiv: Zachmann

Baustellenfortschritt 2021. Archiv: Zachmann

Prominenter Besuch: Einen Einblick in digitale Straßenbaumethoden bekam Verkehrsminister Winfried Hermann (Mitte) 2022 vor Ort von Alexander Klöcker (Firma Reif, von links), Sabine Schmucker (Reif), Michael Bauch (BAMI Ingenieure) und Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon. Archiv: Zachmann

Remchingen ist prima ...

Grußwort Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon

... das ist die Überzeugung der Betriebe und Organisationen, die dieses Informationsportal tragen. Ausgehend von einem dringenden Informationsbedürfnis über die Verkehrssituation in und um Remchingen während einer mehrmonatigen Bauphase an der B10 hat sich eine Initiative gebildet, die alle Anwohner und Besucher Remchingens nachhaltig und dauerhaft mit Informationen versorgen will. Dazu gehört:

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