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02. November 2020

Ehrenamtlicher Seenotretter teilt schreckliche Erfahrungen

Kritik an EU-Flüchtlingspolitik


Schönwettergemälde sucht man vergebens in der Misereor-Karikaturenausstellung „Glänzende Aussichten – Klima, Konsum und andere Katastrophen“, die zurzeit im Remchinger Rathaus hängt und den Betrachter beim Überdenken seines eigenen Lebensstils ganz schön aufrüttelt. Doch was sind solche St(r)icheleien gegen Berichte von Menschen, die hautnah mit erschreckenden Herausforderungen, unbequemen Wahrheiten und Missständen unserer Zeit zu tun haben?

Nachdem Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon zuerst KIT-Klimaforscher Andreas Zahn zu Gast im Ratssaal hatte, folgte in der vergangenen Woche Architekt Olaf Oehmichen. „Auch das wird kein Wohlfühlabend, sondern ein sehr schwieriges Thema“, kündigte Prayon den Mittfünfziger aus Asperg an, der den Rathausneu leitete: Oehmichen engagiert als ehrenamtlicher Seenotretter auf dem zentralen Mittelmeer und hat auf umgebauten DDR-Kuttern der Hilfsorganisationen „Sea Eye“ und „Mission Lifeline“ auf der wohl tödlichsten Fluchtroute der Welt von der lybischen Küste über die hohe See nach Italien bereits 1 430 Menschen gerettet.

Dramatische Szenen ereignen sich kaum eine Stunde weg von beliebten Badeorten auf Videos und Fotos, die der langjährige Segler bei einem seiner Einsätze aufgenommen hat: Gut 750 Menschen tummeln sich eng an eng und übereinander auf einem maroden Holzboot – ausgehungert und verletzt von Folter und einer tausende Kilometer langen Flucht durch die Wüste, seekrank, unterkühlt und inmitten ihrer eigenen Exkremente.

„Solche Holzboote haben gerade noch eine Chance, nach der Fahrt ins Ungewisse Italien zu erreichen“, erklärt Oehmichen, zumal die Retter sie ohne Kenter-Gefahr kaum abretten könnten, „Die Schlauchboote, die die Flüchtlinge teuer angeboten bekommen, sind aber nicht dafür gemacht, jemals anzukommen – ebenso wenig wie Schwimmwesten, die sich mit Wasser füllen und untergehen.“ Ein sinkendes Schlauchboot gehe nie ohne Tote ab, denn obwohl die Retter immer wieder rufen „One by one!“, „Einer nach dem Anderen!“, springen Geflüchtete aus Panik, es nicht rechtzeitig zu schaffen, im heillosen Chaos ins offene Meer: „Glücklicherweise hat man als Retter, wenn man so unter Stress und Adrenalin steht, keine persönlichen Befindlichkeiten.“

In Sekundenschnelle muss er entscheiden, wer zuerst gerettet wird – und für wen es mitunter nicht mehr reicht. In Tunesien hätten Fischer aufgegeben, weil sie den Beifang nicht mehr ertragen konnten: Leichen und zerstückelte Körperteile. „Paradiesische Zustände“ seien es gewesen, als dann große Frachter und Rettungsschiffe kamen und den Ehrenamtlichen die Flüchtlinge gen Europa abgenommen hätten. Jetzt sei weit und breit niemand zu sehen, der von Regierungsseite eingreife. Die Retter müssten dagegen aufpassen, auf offener See nicht angegriffen und nach erfolgter Lebensrettung nicht verhaftet zu werden.

Wenn sie denn überhaupt noch rausfahren können: Die fünf letzten verbliebenen NGO-Rettungsschiffe sitzen allesamt in europäischen Häfen fest, wurden beschlagnahmt oder bekommen keine Ausfahrerlaubnis. So auch die „Alan Kurdi“, auf der Oehmichen am Wochenende wieder anheuern wollte. „Mit mannigfaltigen Bausteinen werden wir vor der lybischen Küste ferngehalten – dabei dachte ich, wir sind in Europa und nicht im Wilden Westen“, kritisiert er und findet klare Worte: „Ich schäme mich mittlerweile, Europäer zu sein.

Wir beklagen Trumps Mauerbau, aber errichten unsere eigenen Außengrenzen. Wenn das so weiter geht, wird es höchste Zeit, dass die EU ihren Friedensnobelpreis zurückgibt.“ Während die Crew auf eine schnellstmögliche Freigabe der Schiffe hoffe, ist er dabei, mit der neuen gemeinnützigen Organisation „SARAH“ ein weiteres, schnelleres Schiff zu finanzieren. Privatpersonen, Vereine, Kommunen könnten mithelfen und „Sichere Häfen“ bilden, ermutigt Oehmichen und blickt traurig auf den aktuellen Wetterbericht – aufziehende Unwetter auf dem Mittelmeer: „Alle, die Anfang der Woche mit Schlauchbooten aufgebrochen sind, werden sterben. So sicher wie das Amen in der Kirche.“

jza

Die unbequeme Wahrheit über die sich immer weiter zuspitzende Lage auf dem zentralen Mittelmeer, wo viele Menschen auf der Flucht ertrinken, teilte Architekt und Seenotretter Olaf Oehmichen (links) auf Einladung von Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon im Remchinger Ratssaal. Foto: Zachmann

In seinem Urlaub engagiert sich Olaf Oehmichen aus Apserg als ehrenamtlicher Seenotretter, wo er schon 1 430 Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat. Foto: Daniel Kempf-Seifried, Sea Eye

Die Fahrt ins Ungewisse von der lybischen Küste Richtung Italien endet für viele Menschen auf der Flucht tödlich. Foto: Daniel Kempf-Seifried, Sea Eye

Remchingen ist prima ...

Grußwort Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon

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