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24. Oktober 2019

Thomas Müller: Großes Engagement als Notinselbeauftragter

Notinseln sind Teil der "Kinderfreundlichen Kommune" und wichtige Einrichtungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.


In Remchingen stehen zahlreiche Notinseln zur Verfügung, die Kindern in Notsituationen mit Hilfe und Unterstützung zur Seite stehen. Der Notinselbeauftragte Thomas Müller und die Kinder- und Jugendbeauftragte Michaela Ungerer waren zu Gast bei Remchingen-prima und berichteten Interessantes zu den Hintergründen und Zielen von Notinseln:

Remchingen-prima: Herr Müller, Frau Ungerer, vielen Dank erst einmal für Ihre Zeit und Ihren Besuch. Was ist aus Ihrer Sicht Zweck und das Ziel der Kindernotinseln?

Thomas Müller:
Erst mal vielen Dank, dass ich da sein darf und dass wir das Interview heute führen. Grundsätzlich ist es so: Notinsel bedeutet nichts anderes wie eine Plattform oder ein Ort, wo Kinder, die sich in einer Notsituation fühlen, hingehen können und wo gewährleistet ist, dass dort geholfen wird.

Remchingen-prima: Wer steht als Organisation dahinter?

Thomas Müller: Das ist die Stiftung „Hänsel und Gretel“ in Karlsruhe, die dieses Notinselprojekt ins Leben gerufen hat. Zuerst in Karlsruhe und Karlsruhe-Land und dann eben jetzt auch bundesweit. Wir vom Lions Club Johannes Reuchlin verantworten den Bereich Pforzheim, Enzkreis und einen Teil vom Landkreis Calw, also Schömberg, Wildbad, Enzklösterle.

Remchingen-prima: Ist das generell eine Lions Aktivität oder ist das nur eine regionale Besonderheit?

Thomas Müller: Wir sind der einzige Lions Club - meines Wissens bundesweit - der das macht. Es muss immer ein gemeinnütziger Verein dahinter stehen, das ist die Voraussetzung von der Hänsel und Gretel Stiftung. Es werden meistens Vereine, gemeinnützige Vereine, dafür gegründet.

Remchingen-prima: Wie viele solcher Notinseln gibt es in der Zwischenzeit?

Thomas Müller:
Ich kann ihnen bundesweit nur sagen, dass es wohl in rund 240 Kommunen bereits etabliert ist. Wobei Kommune zum Teil ja nur ein einzelner Ort ist. Wir haben in Pforzheim, im Enzkreis und mit den eben erwähnten Orten aus dem Landkreis Calw ungefähr 460 Notinseln am Laufen.

Remchingen-prima: Wie viele sind es in Remchingen, Frau Ungerer?

Michaela Ungerer:
Wir haben in Remchingen mittlerweile mehr als 30 Notinseln.

Remchingen-prima:
Gibt es spezielle Anforderungen an die Notinseln oder an der Ausbildung oder Einweisung der dort tätigen Mitarbeiter?

Thomas Müller: Ich sage immer: „Grundsätzlich macht man ja nichts anderes, was man sowieso machen würde.“ Also, wenn man um Hilfe gebeten wird, hilft man normalerweise. Man versucht natürlich, das für die Kinder so weit wie möglich barrierefrei zu machen. Also barrierefreie Hilfe ist das Thema. Das heißt: keine Türen, die man aufmachen muss, am besten Schiebetüren. Im Erdgeschoss, eher lichtdurchflutet, solche Themen spielen eine Rolle. Aber grundsätzlich freuen wir uns natürlich auch über andere Angebote, hauptsächlich auch aus dem kommunalen und hauptamtlichen Bereich. Also Kitas, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen sowie Familienzentren. Da freuen wir uns natürlich sehr, weil dort professionelle, ausgebildete Partner zur Verfügung stehen.

Remchingen-prima:
Warum engagieren Sie sich dafür?

Thomas Müller: Zunächst einmal hat das Notinsel-Projekt mit dem Lions Gedanken direkt nichts zu tun. Der Lions Club Pforzheim Johannes Reuchlin ist ein sehr sehr junger Lions Club. Daher haben sowieso das Thema Kind, Jugend, Inklusion und Natur als Schwerpunkt unserer Unterstützungsarbeit.

Eine unserer Haupt-Aktivitäten heißt „Wettnageln“. Die damit erzielten Einnahmen fließen immer in diese Bereiche nach Pforzheim und in den Enzkreis. Das Notinsel-Projekt war eine Aktion während meiner Präsidentschaft. Zu der Zeit ist es initiiert worden und dann ist es irgendwie an mir kleben geblieben (lacht). Und jetzt bin ich als One-Man-Show unterwegs und mache das - mit Hilfe natürlich - so gut ich kann. 

Mittlerweile kommen einzelne Vereine auf uns zu oder halt natürlich auch jemand wie Frau Ungerer, die das für Remchingen natürlich exzellent macht. Wir sind jetzt dran, dass wir das mit der Verwaltung in Keltern hinbekommen. Das ist uns natürlich noch lieber, denn dann haben wir ja stabile Ansprechpartner vor Ort.

Remchingen-prima: War das Kindernotinsel-Projekt für Remchingen ein Bestandteil der „Kinderfreundlichen Kommune" Aktivitäten?

Michaela Ungerer: Ja, das ist eine eigene Aktion. Für mich war klar, das muss präsenter werden und man muss Notinseln einfach unterstützen. Das war die erste Aktion überhaupt, die ich angegangen habe.

Remchingen-prima:
Notinseln können ja nur in der Praxis funktionieren, wenn sie auch bekannt sind, das heißt, die Kommunikation ist eine relativ wichtige Aufgabe, damit so eine Insel auch tatsächlich in einer kritischen Situation wirklich helfen kann. Was unternehmen Sie, um das bekannt zu machen?

Thomas Müller:
Leider zu wenig. Das ist einfach bedingt durch die Manpower. Wir sind alle ehrenamtlich tätig. Aber natürlich haben wir ein paar Partner, wie zum Beispiel die Volksbank, jetzt auch die VR Bank, die das dann vor Ort promoten. Und was wir auch haben sind die Stadtwerke Pforzheim, die ja jedes Kind in Pforzheim und im Enzkreis mit einer Brotbox beglücken. Und zu der Brotbox gibt es dann die Aufklärungsflyer - sowohl für die Kinder als auch für die Erwachsenen. Und schließlich verteilen wir aktuell jedes Jahr in etwa zwischen 4.500 und 5.000 Hausaufgabenhefte an Schüler der fünften Klassen.

Außerdem bemühen wir uns um Medienarbeit. Wichtiger ist mir aber die Sichtbarkeit vor Ort, das ist nachhaltiger. Wie z. B. unser Notinselspiel, das wir auch verteilen. Damit werden die Kinder spielerisch an die Sache herangeführt.

Ein gutes Medium ist die Homepage von www.notinsel.de, die einen Schulwegplaner hat und da sind natürlich die Eltern angehalten, einfach mal einen Schulwegplan zu machen und vielleicht auch mit den Kindern die Notinseln abzugehen. Und für nächstes Jahr ist eine Notinsel-Rallye in Pforzheim geplant.

Remchingen-Prima: Gibt es hier in Remchingen zusätzliche Informationen in den Schulen, Kindergärten?

Michaela Ungerer: Ja, wir haben jetzt auch alle Kindergärten in den letzten zwei Jahren zu Notinseln gemacht. Und die Erzieherinnen haben uns dann auch zugesagt, dass die Kinder sich einmal im Jahr mit dem Thema befassen. Außerdem gibt es Bemühungen, die Eltern auch dazu zu bringen, mit den Kindern am Wochenende selber mal loszulaufen und zu schauen, wo denn die Notinseln sind. Und zusätzlich haben wir auch jetzt die letzten drei Jahre hier immer das Hausaufgabenheft bekommen. Damit auch das Notinsel-Logo bei den Kindern immer wieder bekannt gemacht wird.

Und das nächste Projekt wäre dann eine Notinsel-Schule. Da haben wir schon die ersten Gespräche geführt mit Schulleitungen. Wir wollen schauen, dass wir ein Projekt hinbekommen, das auf eine Patenschaft hinausläuft.

Remchingen-prima: Gibt es Erfahrung mit der konkreten Nutzung? Man soll ja hoffen, dass Notinseln möglichst selten genutzt wird. Gibt es irgendwelche Erfahrungen, ob es tatsächlich zur Nutzung dieser Möglichkeiten geführt hat?

Thomas Müller:
Die Erfahrung gibt es natürlich. Es ist immer schwer, in diesem Bereich Statistiken zu machen. Das, was ein Notfall für ein Kind sein mag, ist für einen Erwachsenen oft kein Notfall. Wir wissen von ganz vielen Hilfestellungen, wie zum Beispiel: „Ich habe meinen Schlüssel verloren“, „ich habe den Bus verpasst“, „könnten Sie mal bei meiner Mama anrufen, dass sie mich abholt“. So was in der Art, das kommt öfters vor.

Erfreulicherweise sind mir nur wenige Fälle bekannt, die über das normale Maß der kleinen Hilfestellung hinausgehen. Da wird dann nach Bedarf das Jugendamt, der Kinderschutzbund oder die Polizei eingebunden.

Es gibt aus Ludwigshafen, eine Statistik. Dort gab in den ersten fünf Jahren 137 Hilfestellungen, davon waren sieben Fälle schwerwiegenderer Natur und ein bis zwei waren als versuchte Straftat zu bewerten.

Von den meisten Hilfestellungen erfahren wir nichts, weil nichts passiert ist und schnell geholfen werden konnte.

Remchingen-prima: Bei der Planung, Kindernotinseln zu gewinnen, geht man da strategisch vor, dass man rund um die Stellen, wo sich Kinder bewegen, diese Positionen sucht oder wie haben Sie das gemacht?

Michaela Ungerer: Ja zum Beispiel die VR Bank Zentrale war mir schon wichtig, weil in Wilferdingen an einer langen Strecke relativ wenig Möglichkeiten gegeben waren. Die Zusage hat sehr geholfen, zumal mit Nöttingen und Singen gleich zwei weitere Standorte dazu gekommen sind.

Und das Altenpflegeheim haben wir im November letzten Jahres zur Notinsel gemacht. Damit steht auch abends ein Anlaufpunkt zur Verfügung und mit dem DM Markt haben wir in einem etwas außerhalb gelegenen aber viel befahrenen Bereich bis 20 Uhr eine Notinsel.

Thomas Müller:
Also ich glaube, zu viele Notinseln kann es nicht geben. Mein Ziel sind etwa 800 Notinseln bis 2022. Dazu suchen wir gezielt Standorte und Partner. Aber selbstverständlich freuen wir uns auch über freiwillige Meldungen.

Remchingen-prima: Gibt es Vorbehalte bei den angesprochenen Betrieben?

Michaela Ungerer: Wir haben kürzlich eine erneute Werbung gemacht, da kam bis jetzt keine Rückmeldung. Aber insgesamt ist das Echo bei den Angesprochenen in der Regel positiv.

Remchingen-prima: Wer hat hier in Remchingen die Notinseln gewonnen?

Thomas Müller: Das war ein Mitglied von den Lions. Die ersten 15 bis 20 hatten wir als Basis und Frau Ungerer hat ungefähr 10, 12 weitere Notinseln angeworben.

Remchingen-prima: Da steckt auch ein großes Engagement, einfach von Zeit, dahinter. Allzu viel Geld geht ja in das Projekt wahrscheinlich nicht?

Thomas Müller:
Man täuscht sich. Als wir brauchen pro Jahr ungefähr 2.500 Euro für Druckmaterialien. Das Teuerste ist die Handlungsanweisung, also Druckmaterial, das von www.notinsel.de vorgegeben ist.

Remchingen-prima: Sind das die Unterlagen, die den Notinseln als Leitfaden dienen?

Thomas Müller:
Ja genau. Die Kosten dafür übernehmen wir. Der Hauptaufwand ist aber der erforderliche Zeiteinsatz von etwa 1500 Stunden für die Einrichtung der Notinseln. Das konnte auch nur der Lions Club in gemeinsamer Arbeit stemmen. Für die laufende Weiterentwicklung brauche ich mit zusammen mit einer Lions-Freundin etwa 150 bis 200 Stunden im Jahr. Und ich habe, was noch wichtiger ist, die volle Unterstützung meines Arbeitgebers.

Remchingen-prima:
Da kann man sich nur für Ihr Engagement bedanken und selbstverständlich auch für das Gespräch.

Notinselbeauftragter Thomas Müller und Michaela Ungerer, Kinder- und Jugendbeauftragte der Gemeinde Remchingen

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