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08. November 2019

Susanne Merzdorf: Instrumentenbau zwischen Klassik und Moderne

Im kommenden Jahr feiert Cembalobau Merzdorf 100-jähriges Jubiläum. Remchingen-prima hat bereits jetzt die erfolgreiche Firma besucht und Susanne Merzdorf über ihre nicht alltägliche Arbeit befragt:


Remchingen-prima: Vielen Dank für die Möglichkeit, sich mit Ihnen zu unterhalten. Sie bauen ja Cembali, Spinette und verwandte Instrumente. Mögen Sie einfach mal vorneweg unseren Lesern erklären, was die Besonderheit dieser Instrumente ist?
 
Frau Merzdorf: Im Gegensatz zum Klavier oder Flügel wird die Saite nicht angeschlagen, sondern angezupft. 
 
Remchingen-prima: Beim Cembalobau werden sehr viele Instrumente dafür gebaut, alte Musik zu spielen, Bach und Ähnliches. Wo liegt jetzt für Sie der Schwerpunkt? Alte Meisterwerke nachzuempfinden, nachzubauen und deren Klang oder ist es mehr der Schwerpunkt, technisch neue Dinge zu machen?
 
Frau Merzdorf: Mein Fokus liegt eigentlich eher auf dem Klang. So sind wir zum Beispiel 2011 nach Berlin ins Musikinstrumenten-Museum gefahren. Dort steht ein originales französisches Cembalo von dem Erbauer Stehlin. Dieses Instrument fand ich sehr faszinierend, darum haben wir es vermessen und nachgebaut.
 
Remchingen-prima: Das heißt, Sie gehen eher daran, alte Meisterwerke nachzubauen oder zumindest einen ähnlichen Klang zu erreichen? Ist das so der Fokus Ihrer Arbeit?
 
Frau Merzdorf: Genau - der authentische Klang ist dann schon das, was man eigentlich erstrebt.
 
Remchingen-prima: Ja - wobei es ja wahrscheinlich ganz schwer ist zu sagen, wie der authentische Klang um 1500 war?
 
Frau Merzdorf: Ja natürlich, das Holz verändert sein Schwingungsverhalten und natürlich sind auch die originalen Saiten meistens nicht mehr vorhanden. Aber ich denke, so eine Ahnung bekommt man schon, wenn man gut restaurierte Instrumente spielt.
 
Remchingen-prima: Wenn man nach Cembali googelt, kommt immer auch Merzdorf vor. Da heißt, Sie werden da immer mit in der ersten Reihe genannt. Woher kommt der gute Ruf des Unternehmens?
 
Frau Merzdorf: Ich bin jetzt die dritte Generation. Unsere Firma gibt es schon sehr lange. Mein Großvater hat die Firma 1920 in Markneukirchen gegründet. Und nächstes Jahr feiern wir am 26. April in Zusammenarbeit mit der Kulturhalle Remchingen unser 100-jähriges Betriebsjubiläum. Wir sind schon lange im Geschäft und dadurch ist auch der Name bekannt.
 
Remchingen-prima: Sie haben im Rahmen Ihrer langjährigen Arbeit - vor allem auch Ihres Vaters  - mit der Wissenschaft oft zusammengearbeitet, das entnehmen wir Ihrer Webseite. Und Forschungen bei der Gestaltung von Resonanzböden gemacht, auch bezüglich der mechanischen Stabilität von Instrumenten. Welche Rolle spielt diese Forschung für Sie heute?
 
Frau Merzdorf: Aus der Zeit stammen sehr wichtige Erkenntnisse, was zum Beispiel auch die Statik von einem Cembalo betrifft. Die Kunst, ein Cembalo zu bauen liegt ja darin, so stabil zu bauen, dass sich das Gehäuse möglichst nicht zu sehr verzieht. Wenn es allerdings zu stabil gebaut wird, dann klingt es nicht mehr so gut.
 
Remchingen-prima: Ist das Problem dieser mechanischen Stabilität dass es - anders als bei Klavieren - keinen Metallgussrahmen für die Saitenbespannung gibt und dass zu viel Zug auf die Holzteile kommt?
 
Frau Merzdorf: Ja genau, das ist eine reine Holzkonstruktion und klar - durch Luftfeuchtigkeit verändert sich die natürlich auch. Die Innenkonstruktion ist sehr wichtig, damit die Verstrebung so angeordnet ist, dass sich das Gehäuse möglichst wenig verzieht. Das hat natürlich dann auch Einfluss auf die Stimmhaltung. Ein Cembalo, das ganz toll klingt, sich aber ständig verstimmt, ist natürlich auch nichts.
 
Remchingen-prima: Wo ist heute der Hauptmarkt für Sie?
 
Frau Merzdorf: Im Moment liefern wie sehr viel nach Asien. Dieses Jahr haben wir ein zweimanualiges Cembalo nach Tokio geliefert. Und dann haben wir 2017 und 2018 einen Hammerflügel und ein zweimanualiges Cembalo an eine Musikhochschule nach Bangkok geliefert. Jetzt haben wir aktuell einen Auftrag für ein Cembalo für eine chinesische Musikschule. Das ist dann tatsächlich das erste Merzdorf-Cembalo, das nach China geht.
 
Remchingen-prima: Der Markt sind vermutlich entweder professionelle Musiker oder Lehrende. Es ist nicht unbedingt das Instrument, das man seinen Kindern in die Hand gibt zum Musik lernen?
 
Frau Merzdorf: Nein, nicht unbedingt. Also manche kommen auch vom Klavier spielen her und entdecken dann erst spät ihre Vorliebe für Cembali. Manchen wird im Lauf der Zeit auch das Klavier zu laut und die steigen dann auch auf Cembalo oder Clavichord um.
 
Remchingen-prima: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?
 
Frau Merzdorf: Drei - mein Vater und mein Cousin arbeiten beide Teilzeit. Sie sind beide schon im Rentenalter und dann habe ich noch einen  Schreiner beschäftigt.
 
Remchingen-prima: Neben dem Bau von Cembali verleihen Sie auch Instrumente.

Frau Merzdorf: Ja für Konzerte und CD-Produktionen verleihe und stimme ich Instrumente.
 
Remchingen-prima: Ist Restauration von alten Instrumenten ein Thema, mit dem Sie sich beschäftigen?
 
Frau Merzdorf: Ja immer mal wieder. Wir haben jetzt im Moment einen alten Broadwood-Hammerflügel zur Restauration, der ist ungefähr von 1840.

Remchingen-prima: Was sind jetzt so Ihre persönlichen Ziele, was soll Merzdorf sein, wenn Sie es an die nächste Generation übergeben?
 
Frau Merzdorf: Den asiatischen Markt finde ich sehr reizvoll. Das würde ich sehr gerne noch ein bisschen ausbauen und erhoffe mir auch jetzt von dem Cembalo, das nach China geliefert wird, dass da noch mehr nachkommt.
 
Remchingen-prima: Bei einem Familientraditionsunternehmen drängt sich immer die Frage auf, ob die nächste Generation schon ein bisschen in der Werkstatt spielt oder wie sich das so entwickeln wird?
 
Frau Merzdorf: Das kann ich noch nicht sagen, ich habe zwei Kinder, mein Sohn ist 17 und kurz vor dem Abitur. Wie es im Moment aussieht, will er Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Ich weiß nicht, ob er irgendwann einmal in die Werkstatt einsteigen wird. Er ist sehr musikalisch und auch handwerklich begabt, aber im Moment kann er sich das noch nicht vorstellen.

Meine Tochter ist 13, die weiß es jetzt auch noch nicht. Aber ich mache mir da jetzt auch eigentlich noch keinen Kopf, man kann es eh nicht beeinflussen.
 
Remchingen-prima: Frau Merzdorf, wir danken für das Gespräch.

Susanne Merzdorf im Gespräch mit Remchingen-prima, Foto: Matthias Käser.

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