Bürgermeisterin erwägt Hausverbot für FCN-Vorsitzenden

An Ostern hatte die Remchinger Delegation berichtet, wie bei einer sizilianischen Gemeinderatssitzung ein Besucher von der Polizei hinausbegleitet werden musste – jetzt ging es bei der jüngsten Remchinger Ratssitzung für die hiesigen Verhältnisse außergewöhnlich hitzig zu. Grund war die Abstimmung über einen Antrag des FC Nöttingen zur Förderung der Kunstrasensanierung mit einem Zuschuss von rund 75.000 Euro. Der Haken: Laut aktuellen Vereinsförderrichtlinien muss die Mehrheit der Mitglieder in Remchingen wohnhaft sein. Da der FC vor wenigen Jahren die Basketballer Rutronik Stars Keltern übernommen hat, war dies zum Zeitpunkt des Antrags nicht der Fall – bei insgesamt 466 Mitgliedern fehlten drei Remchinger. Bisher habe man laut Beschlussvorlage den Fußball betreffende Anträge dennoch gefördert. Anders als bei den Pferdefreunden Wilferdingen, die bei einer Platzsanierung Ende 2024 wegen zu wenig Remchinger Mitgliedern leer ausgingen.

„Wenn wir eine Förderung beschließen, die gegen unsere eigenen Richtlinien ist, machen wir uns unglaubwürdig und öffnen Tür und Tor für Einzelfallentscheidungen“, bemerkte Christian Roser (CDU) und stellte einen Antrag auf Vertragung. Im Falle einer Förderung wolle er sonst die Kommunalaufsicht einschalten. Mit zehn Ja-Stimmen und neun Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen vertagte das Gremium den Punkt. Doch die Diskussion war lange nicht zu Ende. Martin Rothweiler (Freie Wählervereinigung) zeigte sich irritiert: Man habe den FCN bereits bis zum Haushaltsbeschluss vertröstet und im Februar 2025 angepasste Förderrichtlinien ohne diesen Passus herumgeschickt. Diese seien jedoch noch nicht beschlossen, erklärte Volker Bräuninger (SPD) – auch wenn der FCN dafür nichts könne.

Wolfgang Oechsle (Bürgerliste) bot kurzerhand an, dem FCN die fehlenden Mitglieder zu besorgen: „Der FCN könnte ja auch auf die Idee kommen, dass es ein Gemeindesportplatz ist und die Gemeinde die Sanierung komplett selbst bezahlen muss.“ Das verschlage ihm die Sprache, entgegnete Klaus Fingerhut. In einer sich zuspitzenden Diskussion kam die Frage auf, ob die Gemeinde den Zuschuss schon in Aussicht gestellt habe. Bürgermeisterin Julia Wieland (parteilos) verneinte das, zumal sie selbst nur eine Stimme im Gremium habe.

„Auf das Wort des Bürgermeisters war bisher Verlass“, rief der FCN-Vorsitzende Dirk Steidl aus dem Publikum. Wieland konterte, dass Steidl wegen des Antrags Mitarbeiter im Rathaus angegangen habe. Noch dazu habe er sich im Ratssaal ohne Rederecht unpassend verhalten. Das solle er unterlassen: „Sonst spreche ich Ihnen hier und heute Betretungsrecht für das Rathaus aus.“ Sie forderte ein Vier-Augen-Gespräch. Überraschend schnell beschloss der Rat daraufhin einstimmig die Förderung von Rasenpflegegeräten des FCN in Höhe von 18.000 Euro – zum Zeitpunkt dieser Antragstellung hätten die Mitgliederzahlen gepasst.

jza

Foto: istock <Sauce Reques>
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