Für Rehkitzrettung nehmen Ehrenamtliche gerne schlaflose Nächte in Kauf
Die Nächte sind wieder länger geworden für das Team der Wilden Drohne Pfinz- und Kämpfelbachtal um Amélie und Martin Gegenheimer. Nicht etwa wegen Mittsommer, sondern weil die die ersten Grassilage-Schnitte und die Heuernte rund um Remchingen abgeschlossen sind. Seit Ende April waren die Ehrenamtlichen über Wochen im Einsatz, um sich frühmorgens mit der Drohne und Wärmebildkamera auf die Suche nach Rehkitzen zu begeben und diese vor dem Mähtod zu retten.
Anstatt den großen und unüberhörbaren Mähwerken auszuweichen und zu flüchten, verharren Rehkitze aufgrund ihres sogenannten Drückreflexes reglos auf dem Boden – oft im hohen Gras, wo die Ricke ihre Kitze zum Schutz vor natürlichen Feinden ablegt. Ein Absuchen zu Fuß mit bloßem Auge ist zwar möglich – in der Praxis jedoch kaum leistbar. Daher schätzen die Landwirte, die vor der Mahd per Tierschutzgesetz verpflichtet sind, Wiesen effektiv auf Kitze abzusuchen, ebenso wie die Jagdpächter das ehrenamtliche Angebot.
„In diesem Jahr waren wir besonders gefragt, da die Heuernte sehr früh begonnen hat und dadurch mit dem ersten Silageschnitt zusammengefallen ist“, stellt Gegenheimer fest, der selbst an acht aufeinanderfolgenden Morgendämmerungen im Einsatz war – samt Programmierung der Flugpläne am Vorabend. Oft ist vier Uhr nicht etwa die Zeit, zu der der Wecker klingelt – sondern die Zeit, zu der die Drohne abhebt. „Für eine sichere Erkennung brauchen wir die Wärmebildkamera und die funktioniert nur, wenn der Temperaturunterschied der Tiere zur Umgebung groß genug ist – also müssen wir gerade an warmen Tagen umso früher beginnen“, erklärt Amelie Gegenheimer.
Der studierte Verfahrenstechniker und die Amtstierärztin, die in einigen Vereinen engagiert sind, haben die Wilde Drohne 2021 nach dem Vorbild von Rehkitzretter Thomas Kälber gegründet – und schnell ein Dutzend tatkräftige Unterstützer gefunden. „Ohne unser geschultes Bodenteam bräuchten die Piloten gar nicht erst anfangen zu fliegen“, blickt Amélie Gegenheimer auf motivierte Helferinnen und Helfer, die nicht nur wachsam mit auf den Monitor schauen, sondern sich bei verdächtigen Stellen mit dem Funkgerät behutsam zu den Funden, aber auch entlang von Bäumen begeben, durch deren Blattwerk die Kamera nicht immer schauen kann. Manche Funde entpuppen sich temperaturbedingt als Schachtdeckel, Baumstumpf, Feldhasen oder Vogelgelege, welche genauso gesichert werden. Und in vielen Fällen eben als Rehkitze, die die speziell geschulten Helfer behutsam mit Handschuhen in einer Kiste an einen geschützten Ort im Schatten bringen. Dann erfolgt schnellstmöglich die Mahd, sodass die Kitze nach maximal vier Stunden nach dem Sichern an einer Stelle mit genügend Deckung wieder freigelassen werden.
Dank eines Bundeszuschusses und Spenden konnte sich der Verein eine zweite leistungsstarke Drohne beschaffen und ist so mittlerweile auf einem Großteil des Grünlands in Remchingen, aber auch in den umliegenden Gemeinden im Einsatz. Besonders freut sich Martin Gegenheimer über das meist rege Miteinander der Landwirte und Jagdpächter: „Unsere Mitglieder sind Tierschützer, Jäger, Landwirte und andere Tierfreunde. Genau diese Mischung an unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen lässt uns voneinander lernen und immer neue, pragmatische Lösungen finden.“ Wetterbedingt können die Landwirte die Mahd teilweise erst am Vortag planen. Wenn einer mäht, mähen alle – Dauereinsatz für die Drohnenflieger. „Spätestens, wenn man ein Kitz gefunden und aus der Wiese getragen hat, spürt man geradezu, warum sich das frühe Aufstehen gelohnt hat. Außerdem ist es ja ein absehbarer Zeitraum“, erklärt Bianca Renninger ihre Motivation.
Ganze 87 gerettete Kitze zählt der Verein alleine in diesem Jahr auf einer beflogenen Fläche von rund 200 Hektar, verteilt über 300 Schläge: „Doch an der Zahl geretteter Rehe unseren Erfolg zu messen, wäre zu kurz gegriffen“, verdeutlichte Amélie Gegenheimer, „Entscheidend ist die Quote der übersehenen und dann vermähten Kitze. Erfreulicherweise wurde dieses Jahr ebenso wie 2025 in keinem der von der Wilden Drohne überprüften Feldern ein Kitz verletzt.“ Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Nico Gunzelmann begleitete eine der nächtlichen Aktionen und lobte: „Es ist beeindruckend wie hier menschliche Tatkraft und modernste Technik zusammenspielen.“
Unterstützungsmöglichkeiten gibt es im Internet unter www.wilde-drohne.de
jza







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