Im Ernstfall sind ein kühler Kopf und Zusammenarbeit gefragt

Was, wenn eine großflächige Unwetterlage dafür sorgt, dass alle Krankenhäuser voll, die Notaufnahmen dicht und die Rettungseinheiten ausgelastet sind, es dann aber zu einem schlimmen Verkehrsunfall mit sieben meist schwer Verletzten kommt? Dann haben die Haupt- und Ehrenamtlichen des DRK-Kreisverbands Pforzheim-Enzkreis und die Freiwillige Feuerwehr Remchingen nicht nur einen Plan, sondern eine praktische Idee, wie die Rettung Hand in Hand ineinandergreifen kann: Ein solches Szenario übten sie am Samstag auf den ehemaligen Singener Sägewerksgelände.

Rund 40 Kräfte von DRK und Feuerwehr, die zuvor eine Fortbildung im Feuerwehrhaus hatten, staunten nicht schlecht über das Ausmaß der Schadenslage, dass ihnen DRK-Praxisanleiter Thorsten Müller und Feuerwehr-Gerätewart Sven Krewedl dank der Unterstützung von Sylvia Brodbeck und Lohnunternehmer Mathias Kugele präsentierten: Ein mit vier Personen besetztes Fahrzeug war scheinbar ins Maisgebiss eines großen Mähdreschers gerast, ein weiteres Auto hatte sich überschlagen und ein Radfahrer sich lebensbedrohlich verletzt. Der Mähdrescherfahrer, ebenso wie die sechs anderen Verletzten gemimt von Notfallsanitäter-Azubis, stand unter Schock.

Nicht einfach, aber essentiell war es, den Überblick zu behalten: „Wenn man in so einer Situation auf den ersten zugeht, der blutet und ununterbrochen schreit, verpasst man vielleicht den, der nicht mehr atmet“, unterstrich Praxisanleiterin Hanna Haug die Wichtigkeit der Sichtung und Priorisierung. Während sich die Feuerwehrlehrer an die Absicherung und mit schwerem Spezialgerät an die Bergung machten, unterstützten die Rettungsdienstler Hand in Hand bei der Versorgung. Die Ehrenamtlichen des DRK-Leistungsmoduls Erstversorgung bauten derweil eine strukturierte Patientenablage auf, die in Katastrophenlagen als Bindeglied zwischen Rettung, Behandlung und Abtransport dient.

„Das strukturübergreifende Denken und Zusammenspiel der Hilfsorganisationen sowie von Haupt- und Ehrenamt ist und bleibt wichtig. Gerade in Anbetracht von Hitze, Regen oder Sturm weiß man nie, wann solche Lagen kommen“, unterstrich Müller. Die Sturmschäden am Vorabend mit erheblichen Einschränkungen im Bahnverkehr blieben nach Polizeiangaben ohne Verletzte, hätte aber auch anders ausgehen können. Auch bei der Pforzheimer Bombenevakuierung habe das Zusammenspiel reibungslos geklappt.

Zur Übung in Remchingen hatten die Organisatoren bewusst weniger Kräfte eingeteilt als es die Schadenslage erfordert hätte. Zum Drehbuch gehörte, dass ein Mime im Laufe der Rettungsmaßnahmen scheinbar verstarb. Anschließend gaben die Beobachter eine konstruktive Rückmeldung und diskutierten mit den Teilnehmern, was man hätte optimieren können. Gesagt, getan: Am Nachmittag schminkten sie die Mimen neu und bugsierten zwei weitere Schrottautos am Mähdrescher, um die komplette Übung erneut durchzuspielen und das Gelernte direkt anzuwenden.  

jza

Die Zusammenarbeit bei technischer Rettung und medizinischer Erstversorgung übten der DRK-Kreisverband und die Freiwillige Feuerwehr Remchingen bei einem in Szene gesetzten Massenunfall am Samstag auf dem ehemaligen Singener Sägewerksgelände. Foto: Zachmann
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