Junge Musikbegeisterte überzeugen mit großen Werken
Eine Pedalverlängerung braucht es dann, wenn eine Siebenjährige einen Flügel bespielen will, über den sie im Stehen kaum drüber blicken kann. Hätten sie es am Sonntagabend nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern nur das „Solfeggietto“ von Carl Philipp Emanuel Bach in der Remchinger Kulturhalle gehört, hätten es die Zuhörer wohl nicht geglaubt, dass mit Camellia Hope Guo aus Nagold eine Grundschülerin am Klavier sitzt. Sie gehörte am Wochenende zu Dutzend kleinen Künstlern, die ganz groß raus kamen beim diesjährigen „Jugend musiziert“-Regionalwettbewerb Nordschwarzwald, den die Musik- und Kunstschule Westlicher Enzkreis in Remchingen ausgetragen hatte. 170 Teilnehmer aus Pforzheim, dem Enzkreis, Calw und Freudenstadt stellten in 124 Wertungen ihr Können unter Beweis.
Nach drei Tagen Musizieren vor den Juroren in der Kulturhalle, der benachbarten Diakoniestation und dem Gymnasium stellte beim Preisträgerkonzert am Sonntagabend ein kleiner Teil der jungen Virtuosen sein Können unter Beweis – eingeläutet vom 13-Jährigen Erwin Hao Ze Li am Schlagzeug, der mit der modernden Funk-Rock-Version des Lieds „Beggin‘“ einen für manche überraschenden Akzent setzte. „Wer kurz gezögert hat: Sie sind hier schon richtig“, begrüßte Olaf Kerkau, Musikschulleiter in Calw und Regionalausschussvorsitzender von „Jugend musiziert“, „Wir spannen einen weiten Bogen von der Popakademie bis Mozart auf Italienisch.“
Er dankte allen Teilnehmenden für tolle Leistungen, insbesondere der ausrichtenden Musikschule. Deren Trägervereinsvorsitzende Barbara Casper gab den Dank weiter an das Lehrerteam um Iris Finkbeiner und Antje Krüger-Spindler sowie an die Eltern: „In der heutigen Zeit ist es nicht mehr selbstverständlich, Geld für weiche Standortfaktoren wie die Kultur auszugeben.“ Mit einem begeisterten „Wow!“ kommentierte Bürgermeisterin Julia Wieland die Auftritte des Abends: „Die Latte liegt ganz, ganz hoch und es erfordert Mut und Anerkennung, dass ihr euch der Wertung ausgesetzt habt.“
Während die 14-Jährige Lilly Keim aus Baiersbronn beim Konzert mit einem barocken Flamenco auf der Harfe überzeugte, brillierte der 23-Jährige Christoph Reiser aus Zavelstein, indem er mit seiner Bariton-Stimme auf Italienisch zu Mozart sang. Als Cello-Quartett überzeugten Moritz Bela Renk (14) und Heidi Dreger (18) aus Schömberg, Denisa Herrmann (17) aus Calw sowie Aristophanis Kammenos (19) aus Remchingen. Flötend-tanzend imitierten die Zehnjährige Soi Braun aus Remchingen und die Neunjährige Mathilda Mößner aus Königsbach-Stein eine Uhr und hatten sich damit die Traumnote mit 25 Punkten erspielt. Sie gehörten zu den Bestplatzierten der gastgebenden Musikschule – zusammen mit Lilia Karim und Emily Manzo (Cello-Duo), Gabriel Kordt, Elias Ade, Johanna Sophia Ender, Dana Wert, Jule Modritsch, Malea Herrscher sowie Mara Hegmann (alle Klavier).
jza


Kommentare und Antworten