Kein Lauf wie jeder andere

Über 150 Schülerinnen und Schüler haben im Sommer beim Beneflizz-Sponsorenlauf des Remchinger Skiclubs alles gegeben, um Runde für Runde Spenden zu sammeln. Mittendrin: Annika Schwarz aus Darmsbach. Für sie war der Lauf ein ganz besonderer – einerseits, weil sie ganze vier Runden geschafft hat, was für die Elfjährige keineswegs selbstverständlich ist. Und andererseits, weil sie miterleben durfte, wie sich die anderen für sie und ihre Familie einsetzen. Denn während eine Hälfte des erlaufenden Geldes an die Fördervereine der Remchinger Schulen geht, kommt die andere seit jeher der Nachsorgeklinik Tannheim zugute, die Krebs-, Herz- oder Mukoviszidose-erkrankten Kindern, ihren Familien sowie Verwaisten wertvolle Unterstützung bietet.

„Ich bin für meine Reha mitgelaufen“, berichtet Annika und blickt stolz auf 1.200 Euro, die alleine sie und ihre siebenjährige Schwester Johanna erlaufen haben. Bei Annikas Geburt diagnostizierten die Ärzte einen achtfachen schweren Herzfehler. Sie besaß nur eine große Schlagader. Aus fünf kleinen Gefäßen mussten die Ärzte schnell eine zweite schaffen, was dazu führte, dass nun ihre linke, eigentlich schwächere Herzhälfte die ganze Arbeit machen muss. Sie hat ein hypoplastisches Linksherz. Im ersten Jahr verbrachte die Familie sieben Monate im Krankenhaus. Annika war zu schwach zum Trinken und wenn sie einschlief, hörte sie auf zu atmen, sodass sie nachts über eine Kanüle im Hals beatmet werden musste, erinnern sich Christina und Marco Schwarz. Erst als ihre Tochter Jahre später ohne die Kanüle selbst atmen konnte, konnten die Eltern wieder ihre Stimme hören.

Die Liste schwerwiegender Diagnosen am Herzen und der Lunge wurde bis heute länger und länger, was eine enorme psychische und körperliche Belastung für alle bedeutet. Nicht zuletzt fortwährende Auseinandersetzungen mit der Krankenkasse seien sehr belastend, etwa wenn es um ein kleines Kinderstethoskop, um Sauerstoff, einen Rollstuhl oder ein größeres Pflegebett für das natürlich wachsende Kind geht. „Doch egal wie schlecht es Annika geht – mit ihrem Lachen gibt sie uns immer wieder viel Kraft“, verdeutlicht ihre Mutter. So gut es geht hat es die Familie geschafft, einen gewissen Alltag zu leben: „Aber manchmal wissen wir uns nicht mehr zu helfen und sind auf Hilfe angewiesen. Man ist abhängig davon.“ Annika, die eine besondere Schule in Pforzheim besucht, musste im vergangenen Jahr von zwei Schulkameraden Abschied nehmen, die verstorben sind.

Für neue Kraft sorgten dabei zwei mehrwöchige Aufenthalte in der Nachsorgeklinik Tannheim. „Dort gibt es einen lustigen Clown, eine Disco, Meerschweinchen und Pferde, die man streicheln darf“, berichtet Annika begeistertet von den Zusatzleistungen, die es dank Spenden gibt, „Danach ging es mir nicht schlechter als zuvor.“ Schon alleine das ist ein Mehrwert in ihrer Situation. „Uns kann die Reha viel mehr bieten als medizinische Hilfe: Hier gibt es Platz für Gefühle. Wir können Dinge aussprechen, die wir sonst nicht aussprechen können, wir werden verstanden“, unterstreicht ihre Mutter und denkt an nach wie vor bestehende Gespräche mit anderen in der gleichen Situation. Aber auch mit verwaisten Familien, die in Tannheim dank Spenden, da Kassen dafür nicht bezahlen, ebenso eine Anlaufstelle finden. Oft rede man über Probleme und habe keine Lösungen parat: „Aber schon das darüber sprechen hilft.“ Eine solche Reha sei nicht nur Erholung: „Man beschäftigt sich 24-7 mit der Krankheit.“ Dennoch sei das Angebot unbezahlbar.

Der Wehrmutstropfen: Aufgrund der begrenzten Kapazität und des wachsenden Bedarfs müssen Familien trotz lebensbedrohlicher Krankheiten mitunter drei Jahre auf einen Therapieplatz warten. Andrea Willmann aus Singen gehört seit 1998 dem Stiftungsrat der Deutschen Kinderkrebsnachsorge an und arrangiert seit über 30 Jahren immer wieder Benefizaktionen zugunsten der Klinik, die mehr und mehr gewachsen ist. Auf Galaabende in der Kulturhalle folgte der Beneflizz-Sponsorenlauf des Remchinger Skiclubs, bei dem alleine in 2025 ganze 21.500 Euro zugunsten der örtlichen Schulen und der Klinik zusammenkamen. Die Spenden hat der Skiclub bereits übergeben. Einen Sonderpreis als Läufer mit der höchsten Summe erhielt Brian Hildner von der Peter-Härtling-Grundschule, die auch die Schule mit der höchsten erlaufenen Summe war.

 

Unter folgendem Link kann man für die Deutsche Kinderkrebsnachsorge spenden:

https://kinderkrebsnachsorge.de/spenden-mitwirken/

jza

Zufrieden auf den diesjährigen Beneflizz-Sponsorenlauf des Skiclubs blicken Andrea Willmann (von links), Annika, Christina, Johanna und Marco Schwarz. Foto: Zachmann
Zufrieden auf den diesjährigen Beneflizz-Sponsorenlauf des Skiclubs blickt Annika Schwarz (vorne links) mit ihrer Schwester Johanna, ihren Eltern Marco und Christina (rechts) und Andrea Willmann vom Remchinger Skiclub. Foto: Zachmann
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