Niederschwellige Einblicke in vielfältige Ausbildungslandschaft der Region
Vor elf Jahren war Jonas Leonhardt selbst noch Schüler der Remchinger Realschule und machte sich kurz vor der Mittleren Reife Gedanken über seine berufliche Zukunft. Heute ist er Zimmerermeister, führt einen Handwerksbetrieb in der Gemeinde und engagiert sich im Vorstand der Zimmererinnung. Am Donnerstag machte er mit einem Holzbau-Infomobil des Landesinnungsverbands samt „Hau den Lukas“-Kraftmesser anderen Schülern Mut, einen ähnlichen Weg einzuschlagen – oder auch einen ganz anderen innerhalb der vielfältigen Möglichkeiten der Ausbildungslandschaft in der Region.
„Mit der Messe wollen wir Vernetzung schaffen und den jungen Menschen konkrete Angebote für ihre berufliche Zukunft machen – ob im Handwerk, der Industrie, bei der Polizei, in der Pflege oder im Kosmetikbereich“, unterstrich Landrat Bastian Rosenau (parteilos) die Vielfalt, „Egal, für was sie sich entscheiden – Hauptsache, wir schaffen es, die Wirtschaftskräfte in der Region zu halten.“ 950 Schüler von zehn weiterführenden Schulen aus dem westlichen Enzkreis – doppelt so viele als im vergangenen Jahr – hatten den Vormittag über Gelegenheit, bei der Ausbildungsmesse „Schule trifft Zukunft“ in und um die Remchinger Kulturhalle rund 80 Unternehmen, Institutionen und Bildungseinrichtungen kennenzulernen. Was als Schulmesse der Carl-Dittler-Realschule begonnen hatte, hat sich seit 2021 mit Unterstützung des Enzkreises zu einer breiten Plattform entwickelt, freute sich Linda Marschall von der Wirtschaftsförderung des Enzkreises. Dieser schulterte beispielsweise die Konzeption und stellte Busshuttles.
Mussten die Unternehmen vor Jahren noch um die Azubis buhlen, hat sich im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung das Blatt gewendet: In vielen Bereichen sei das Angebot an Ausbildungsplätzen aktueller geringer als die Nachfrage, verdeutlichte der Wirtschafts- und Tourismusbeauftragte des Enzkreises Jochen Enke. Rechtzeitig Ausschau halten und Praktika vereinbaren lohnt sich also. Während Berufe im Zimmerer-, Dachdecker-, KFZ-, Elektro- oder Sanitärgewerbe besonders hoch im Kurs stehen, sei der Nachwuchs beispielsweise im Schreinerhandwerk und insbesondere in den sozialen Berufen rar, unterstrich Catarina Haberstroh von der Kreishandwerkerschaft.
Fürs Handwerk schlägt auch das Herz von Janek und Leon. Die beiden Realschüler aus Straubenhardt probierten sich vor Ort an der Montage eines Waschbeckens: „Das Handwerk ist vielfältig. Man kann etwas bewegen, ist drinnen und draußen und sitzt nicht den ganzen Tag im Büro“, erklärte Janek seine Motivation. Neben den Ausbildern luden an vielen Ständen insbesondere die frisch gebackenen Gesellen ein, ins Gespräch zu kommen und sich mit kleinen Aktionen zwischen Hightech und Fingergeschick niederschwellig selbst auszuprobieren. Auch die Polizei, Banken und Schulen präsentierten sich vor Ort.
jza

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