Remchinger Abendmusiken verbinden Musik mit Wissenschaft
Im November 2021 hat Andreas Kammenos mit seinen ebenso musikalisch hochbegabten Geschwistern und einer Karlsruher Mitstudentin die Remchinger Abendmusiken gegründet – nach dem Vorbild historischer Kirchenmusikveranstaltungen außerhalb des Gottesdiensts seit dem 17. Jahrhundert in Lübeck.
Fünf Jahre später steht der 22-Jährige, der bereits mit 15 sein Musikstudium begann, den Master bereits absolviert und als Blockflötist internationale Auszeichnungen erhalten hat, mit sieben weiteren jungen Virtuosen in der Singener Kreuzkirche.
Erneut hat er die Abendmusiken mit einem Musikkolleg kombiniert. In einer Art Akademie für Musik und Wissenschaft konnten die hochmotivierten Studierenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unter Leitung von Kammenos sowie Dozenten aus Frankfurt, München, Basel, Stuttgart und Karlsruhe ihre Leidenschaft für Musik mit Wissenschaft verbinden und sich bei kleinen Vorlesungen, Gruppenarbeiten und gemeinsamem Musizieren fortbilden.
Im Zentrum stand dabei das italienische Wort für Konzert, „concerto“, das in der lateinischen Verbform zunächst für „zusammenspielen“, dann aber auch für „wetteifern“ stand. „Genauso zeigt von uns heute jeder, was er kann und versucht, so gut zu spielen wie sein Instrument es kann“, verdeutlicht Kammenos bei einer Instrumentenvorstellung im Gemeindehaus.
Das Besondere: Die jungen Musiker spielen auf Instrumenten, die so aussehen und klingen wie ihre historischen Originale. So hat die Blockflöte eine deutlich engere Bohrung, das Cello wird anstatt eines Endstücks zwischen die Beine geklemmt und die Saiten sind anstatt aus Stahl aus Tierdärmen gefertigt, was sie wärmer und weicher klingen lässt.
Das Ergebnis der gemeinsamen Studien- und Probezeit in Remchingen ist schließlich ein quasi perfektes Zusammenspiel zu Kompositionen von Bach, Telemann oder Zelenka. Damit können Andromache Kammenos und Jeanette Chao am Klavier, Monica Dorn und Zoe Münsberg am Cello, Mathilde Sapin an der Blockflöte, Constanze Weißenstein an der Barockoboe und Benedikt Holter am Cembalo die Besucher in der gut gefüllten Kreuzkirche nachhaltig begeistern. Der Tastenkünstler, der gleichzeitig den Master in Technischer Physik in der Tasche hat, spielte schon im Wiener Konzerthaus oder dem Opernhaus Sydney. Seine Klänge schlagen in der Kreuzkirche einen besonderen Bogen zu Remchingen – bei den Abendmusiken sind gleich mehrere der vom Wilferdinger Cembalobauer Merzdorf filigran hergestellten Instrumente im Einsatz.
Auch im kommenden Jahr will Kammenos das Musikkolleg veranstalten – mit Bezug zu 50 Jahren Remchingen: „Wir möchten uns fragen, wie Remchingen klingt – vom Rauschen der Pfinz bis zu den Besonderheiten der Ortsteile.“ Zuvor findet am 4. April um 18 Uhr die nächste Remchinger Abendmusik unter anderem mit Werken von Beethoven und Bowen statt.
JZA



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