Remchinger Römermuseum will Neuausrichtung gemeinsam anpacken
Wie geht es weiter mit dem Remchinger Römermuseum, nachdem sich Jeff Klotz wie berichtet im November überraschend von der ehrenamtlichen Leitung zurückgezogen hat? Sabine Stalf und Dirk Vogeley haben sich seither viele Gedanken dazu gemacht. Die 62-Jährige aus Königsbach-Stein und der 68-Jährige aus Pfinztal waren als kommissarische Museumsleiter eingesprungen. Nun können sie ihren Plan in die Tat umsetzen: Einstimmig wählten die Mitglieder die frühere Leiterin der Pforzheimer Hochschulbibliothek und den Juristen sowie langjährigen Geschäftsführer der Klimaschutzagentur in Karlsruhe am Dienstagabend zu neuen Museumsleitern.
Auf großes Interesse stieß die außerordentliche Mitgliederversammlung im Museumscafé, zu der die Vorsitzende und Remchinger Bürgermeisterin Julia Wieland mit ihrem Vize Edgar Kunzmann eingeladen hat. Stalf und Vogeley wollen an das Erfolgskonzept anknüpfen, nach dem Klotz mit seinem Team die römische Ausgrabungsstätte in den vergangenen 18 Jahren zum Kulturzentrum und heimatgeschichtlichen Kleinod entwickelt hatte, bevor sich der 35-Jährige mehr und mehr vom Museum zurückzog. Aber auch neue Wege wollen sie einschlagen.
So soll es nach und nach eine Überarbeitung der Dauerausstellung geben. Dazu seien die beiden schon im Austausch mit der Landesstelle für Museen. Die Sonderausstellungen sollen einen verstärkt heimatgeschichtlichen und archäologischen Schwerpunkt bekommen: Ab 20. März gastiert eine Wanderausstellung zum 30-jährigen Krieg, Richtung Herbst soll sich eine Sonderausstellung der Geschichte von Carl Dittler, Wilferdinger Rösslewirt und Revolutionär des Pfinztals widmen – anlässlich dessen 150.Todestags. Das Remchingen-Jubiläum 2027 wirft ebenso seine Schatten voraus. Auch Vorträge und Exkursionen mit Archäologiebezug soll es wieder geben, ebenso wie den Austausch mit den örtlichen Schulen und Römermuseen in der weiteren Region.
„Nachdem Jeff Klotz das Museum viele Jahre erfolgreich geleitet hat, hat es sehr darunter gelitten, dass er zuletzt weniger Zeit hineingesteckt hat. Sein Rückzug war zunächst ein Schock. Jetzt versuchen wir, diese Herausforderung als Chance zu sehen“, erklärte Wieland. Sie dankte dem Trio um Stalf, Vogeley und Kunzmann, sowie allen Aktiven um Peter Foemer als Bauleiter sowie Helene Schwarz, Monika Foemer und Christa Kröner-Kußmaul fürs Café. Auch sie selbst erhielt viel Lob für ihren Einsatz.
Dabei ist der Heimatverein nicht nur in der Einrichtung am Niemandsberg, die 2024 den Museumspreis des Landes erhielt, aktiv, wie Kunzmann hervorhob: Auf der Empore der Alten Kirche Wilferdingen wächst eine Ausstellung zur Geschichte von Remchingen und seinen Ortsteilen, während die frühere Arrestzelle im alten Wilferdinger Rathaus mittlerweile als Archiv dient. Dieses soll nach und nach digitalisiert werden, wobei Kunzmann den Einsatz von Katharina und Joachim Geffken hervorhob.
In den vergangenen Jahren hatte sich der engagierte Kern des aktiven Museumsteams auf ein Dutzend reduziert, die Sonntag für Sonntag öffnen, bewirten, führen und unter der Woche schon an der nächsten Ausstellung bauen. Das müsse sich in Zukunft ändern: „An vielen Stellen im Leben gehörte ich zu den Jüngsten – ich hätte nicht gedacht, dass mir das noch einmal passieren würde“, blickte Vogeley humorvoll in die Runde und ergänzte mit Nachdruck: „Wir brauchen ganz dringend weitere Aktive, um zukunftssicher zu sein.“ Außerdem solle die konzeptionelle Arbeit und die Verwaltung auf mehreren Schultern verteilen, mit regelmäßigem Austausch und Dokumentation: „Wir müssen verhindern, dass wir bei Null anfangen, wenn eine Person nicht mehr da ist.“
jza


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