Rösslewirt und Revolutionär mit Wilferdinger Wurzeln
Er war Landwirt, Wilferdinger Rössle-Wirt und einer der treibenden Kräfte der badischen Revolution: Neu beleuchtet hat das Remchinger Römermuseum nun das Leben von Carl Dittler mit einer Sonderausstellung 150 Jahre nach dessen Tod. „Sie können eine Zeitreise machen zu einer enorm wichtigen Stätte des Umbruchs und der Demokratie“, verdeutlichte Museumsleiter Dirk Vogeley zur Eröffnung am Sonntag, gleichzeitig Tag des offenen Denkmals, „Auch wenn die Badische Revolution 1849 zunächst scheiterte, hat sie viel angestoßen für Grundrechte, eine Verfassung und Themen, für die die Menschen noch heute auf die Straßen gehen.“
Dittler, geboren 1802, war ein flächenreicher Wilferdinger Landwirt, der von seinem Vater das noch heute bestehende Gasthaus Rössle übernahm. 1849 gründete er einen Volksverein und zog als Wahlmann mit 8.000 Stimmen in das erste frei gewählte Parlament Badens, die Verfassungsgebende Landesversammlung. Als die Revolution scheiterte, verurteilte man ihn zu acht Jahren Zuchthaus. Er verlor sein ganzes Vermögen.
Im Weinfass soll ihn ein Schwiegersohn ins nahegelegene Württemberg gerollt haben, wie einer der Nachkommen bei der Ausstellungseröffnung berichtete. Dort suchte er vier Jahre Schutz, bevor er seine Familie mit zwei Frauen und 16 Kinder zurücklies und nach Amerika auswanderte. Dort gründete er als Farmer und Postmeister eine neue Existenz und machte sich ebenso einen Namen, wie im Museum am Sonntag eine frühere Amerikanerin verdeutlichte, die unweit Dittlers Wirkungsstätte lebte. Obwohl Dittler, dessen Namen die Remchinger Realschule trägt, in Briefen und Gedichten immer wieder zum Ausdruck brachte, wie sehr er seine Heimat vermisse, kehrte er nach seiner Begnadigung durch den Großherzog nur kurzzeitig zurück. Er verstarb 1876 als Patriot im Exil.
„Ab sofort begrüßen wir Sie nicht nur im Römer-, sondern ausdrücklich auch wieder im Heimatmuseum“, freute sich Bürgermeisterin Julia Wieland und dankte als Vorsitzende den Ehrenamtlichen des Heimatvereins. Allen voran Helene Schwarz, Christa Kröner-Kußmaul, Monika Foemer und Edgar Kunzmann hatten zusammen mit den Museumsleitern Sabine Stalf und Dirk Vogeley die Ausstellung konzipiert. Neben Infotafeln an den Außenwänden samt Leseecke historischer Kopien versetzen im Innern ein gedeckter Tisch, stilecht gekleidete Figuren und jede Menge Alltagsgegenstände eindrucksvoll in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Fast alles stammt aus örtlichem Privatbesitz, während ein Hecker-Hut in Erinnerung an Freiheitskämpfer Friedrich Hecker zu den Leihgaben gehört.
Bis Anfang Dezember ist die Sonderausstellung im Römermuseum am Niemandsberg jeden Sonntag von 13 bis 18 Uhr samt Cafébetrieb geöffnet. Führungen an anderen Tagen sind auf Anfrage möglich. Am 9. Oktober um 19 Uhr geben die Landfrauen in der Alten Kirche Wilferdingen einen Vortrag zu Carl Dittler.
jza




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