Rückenstärkung für baden-württembergische „Blaulichtfamilie“ und Vereine

Einen roten Teppich haben sie dem stellvertretenden Ministerpräsidenten nicht ausgerollt, sondern mehr noch: den ganzen Boden in der Nöttinger Panormahalle in der neuen CDU-Farbe „Cadenabbia-Türkis“ gestaltet, wie der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Montagabend humorvoll feststellt.

Auch zwischen den Schlagworten, die der Enzkreis-Landtagskandidat Nico Gunzelmann über den politischen Austauschabend gestellt hat, findet Strobl im Handumdrehen die passende Verbindung.

„Sicherheit – Blaulicht – Vereine“: Was auf den ersten Blick nach drei losgelösten Themenblöcken aussehen kann, gehört für Strobl treffend zusammen, insbesondere durch den Untertitel „Wie hält unsere Gesellschaft zusammen?“.

„Denn genau bei dieser Frage haben wir ein echtes Problem, wenn wir etwa nach Amerika schauen“, mahnt Strobel, „Auch in Deutschland sind ein paar unterwegs, die vor allem das Geschäft haben, die Gesellschaft zu spalten.“

Während der Enzkreis der Statistik nach sicherster Landkreis im Land ist, ist Pforzheim der zweitsicherste Stadtkreis. Nirgendwo in Deutschland lebe es sich so sicher wie im Süden. Dies macht Strobl an der größten Einstellungsoffensive in der Geschichte der Landespolizei fest – in fast zehn Jahren als Innenminister verzeichnet er 14.000 Einstellungen bei der Polizei, 2026 soll es 1.000 Polizistinnen und Polizisten mehr geben als 2016.

Gleichzeitig habe eine enorme Technikoffensive stattgefunden: „Als erstes Bundesland bringen wir unsere Landespolizei jetzt in die Cloud und machen sie fit für die Künstliche Intelligenz“, erklärt Strobl und blickt dabei auf immer mehr Verbrechen in der digitalen Welt. Neben ausreichend Nachwuchs und einer top Ausstattung hält Strobl jedoch ein modernes Polizeigesetz mit entsprechenden Handlungsmöglichkeiten und mehr Vertrauen der Gesellschaft in die Arbeit der Polizei für unabdingbar.

Der Bevölkerungsschutz dagegen passiere überwiegend ehrenamtlich, was er den knapp 100 Anwesenden am Beispiel der Feuerwehren verdeutlicht: Dort sind 97 Prozent der Kameraden Freiwillige, die sich übrigens im Jugendbereich an stetigen Zuwächsen erfreuten.

„Ohne Ehrenamt ist kein Staat zu machen“, betont der 65-Jährige. Gerade Hilfsorganisationen zeichneten sich nicht nur durch Retten, Löschen und Kümmern, sondern durch Kameradschaft und Gemeinschaft aus: „Das hält unsere Gesellschaft im Ehrenamtsland Nummer eins zusammen.“

Unbezahlbar seien daher Dienste wie die der Remchinger DRK-Ortsgruppe, deren Vorsitzender Dieter Farr in einer von Gunzelmann moderierten Diskussion mit dem Innenminister ins Gespräch kommt.

Gunzelmann hebt dabei den Beitrag der „Blaulichtfamilie“ ebenso wie der Vereine für ein friedvolles, freiheitliches und gesellschaftliches Zusammenleben in Verantwortung hervor: „Ohne Ehrenamt leidet unser ländlicher Raum menschlich, kulturell und sozial. Die Förderung sollten wir daher nicht als Nebensache, sondern kulturelle Aufgabe verstehen.“

Dass es Vereine bei der Suche nach längerfristig Engagierten schwierig haben, unterstreicht Christian Wallisch, Vorsitzender des Nöttinger Turn- und mit über 1.800 Mitgliedern größten Vereins in der Umgebung. Mit Blick zum ebenso anwesenden CDU-Staatsminister Gunther Krichbaum schlägt Farr die bundesweite Wiedereinführung von Wehrpflicht und Zivildienst vor, um das bröckelnde Fundament der „Blaulichtfamilie“ zu stärken.

Das weckt ebenso Applaus wie die von Gunzelmann ins Spiel gebrachte Landes-Ehrenamtskarte mit entsprechenden Vergünstigungen, die es seit Kurzem in Pforzheim gibt. Auch der Wunsch eines zusätzlichen Urlaubstags, Rentenpunkte oder die neue Übungsleiterpauschale kommen zur Sprache.

Ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für alle hält Strobl für sehr gut: „Ob mit Wehrdienst, beim DRK oder in der Entwicklungshilfe. Der Staat gibt dir viel, aber du darfst auch diesem Staat etwas geben.“

Anreize hin oder her: „Wichtig ist, dass man sein Ehrenamt aus Überzeugung und mit Herzblut macht“, stellt Wallisch treffend fest, bevor sich der Remchinger CDU-Vorsitzende Baldassare La Gaetana mit Dosenwurst und anderen lokalen Spezialitäten beim Minister für seinen Besuch bedankt: „Des isch a helle Freud“, schmuzelt Strobl.

Ein Dutzend Dosen gehörten für ihn daheim zur Grundausstattung – und seien auch für einen kleinen Katastrophenschutz nicht verkehrt.

jza

Auf Einladung des CDU-Landtagskandidaten Nico Gunzelmann (ab Zweiter von links) kam der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl mit dem Vorsitzenden des Turnvereins Nöttingen Christian Wallisch und dem DRK-Ortsvereinsvorsitzenden Dieter Farr (links) ins Gespräch über die Herausforderungen von Vereinen und Blaulichtorganisationen. Foto: Zachmann
Auf Einladung des CDU-Landtagskandidaten Nico Gunzelmann (ab Zweiter von links) kam der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl mit dem Vorsitzenden des Turnvereins Nöttingen Christian Wallisch und dem DRK-Ortsvereinsvorsitzenden Dieter Farr (links) ins Gespräch über die Herausforderungen von Vereinen und Blaulichtorganisationen. Foto: Zachmann
Thomas Strobl (Zweiter von links), CDU-Kreisvorsitzender Martin Gegenheimer (von links), die stellvertretende Gemeindeverbandsvorsitzende Sarah Wagner, Landtagskandidat Nico Gunzelmann, Staatsminister Gunther Krichbaum und Gemeindeverbandsvorsitzende Baldassare La Gaetana. Foto: Zachmann
Thomas Strobl (Zweiter von links), CDU-Kreisvorsitzender Martin Gegenheimer (von links), die stellvertretende Gemeindeverbandsvorsitzende Sarah Wagner, Landtagskandidat Nico Gunzelmann, Staatsminister Gunther Krichbaum und Gemeindeverbandsvorsitzende Baldassare La Gaetana. Foto: Zachmann
Nico Gunzelmann (Zweiter von links),  Thomas Strobl, CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Baldassare La Gaetana und Kreisvorsitzender Martin Gegenheimer (links). Foto: Zachmann
Nico Gunzelmann (Zweiter von links), Thomas Strobl, CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Baldassare La Gaetana und Kreisvorsitzender Martin Gegenheimer (links). Foto: Zachmann
Am Montagabend sprach der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl in der Panoramahalle des FC Nöttingen. Foto: Zachmann
Am Montagabend sprach der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl in der Panoramahalle des FC Nöttingen. Foto: Zachmann
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