Runder Geburtstag ermöglicht nächtlichen Sprung ins kühle Nass

Seit 100 Jahren gibt es der Chronik zufolge fließendes Wasser in Remchingen – und genau halb so lange reicht die Einweihung des Remchinger Freibads im Mai 1976 zurück. 50 Jahre Schlossbad feierten zahlreiche Remchinger am Samstag mit bunten Mitmachaktionen und einem nächtlichen Sprung ins erfrischende Nass.

„Vor 50 Jahren sind einige Gemeinderäte um Kurt Wenz mit Frack und weißer Krawatte ins Wasser gesprungen. Damals war ich vier Jahre alt“, erinnerte sich Christoph Engel beim Blick auf eine Bilderausstellung in der Wärmehalle zurück, „Heute reicht uns die Badehose um Spaß zu haben und der Nacht entgegen schwimmen zu können.“ Als regelmäßiger Besucher schätzt er die Gemeinschaft und den Freizeitwert der Einrichtung. Dafür nimmt die Gemeinde jährlich bis zu 700.000 Euro Verlust in Kauf, um rund 100.000 Eintritten den Badespaß zu ermöglichen. Rund die Hälfte dieser Eintritte machen die der jährlich etwa 3.700 Saisonkarteninhaber aus.    

„Für Remchingen ist das Freibad Teil der Identität. Es erinnert nicht nur mit seinem Namen an die Geschichte der Gemeinde, sondern ist auch ein Aushängeschild für unsere Funktion als Grundzentrum“, verdeutlichte Bürgermeisterin Julia Wieland, „Hier begegnen sich Menschen aus der Gemeinde und Region und aus Bekanntschaften werden manchmal sogar Freibad-Freundschaften.“ 55 Prozent der Besucher kommen einer Erhebung zufolge aus der Umgebung.

Mit einer Lesung aus dem Buch „Der kleine Drache Kokosnuss auf der Suche nach Atlantis“ bereicherte Wieland am Samstag das heitere Miteinander und unterstrich dabei die Bedeutung als Familienbad. Während der CVJM Wilferdingen mit Outdoor-Spielen und Riesenseifenblasen auf die weitläufige Liegewiese lockte, forderte der FC Alemannia beim Torwandschießen heraus. Eine Kunstaktion mit Dagmar Krieg, Yoga mit Christine Reimer und Line Dance zu aktuellen Hits mit Barbara Shaghaghi bereicherten ebenso den Festtag, bevor eine Showküche mit Pastagerichten und ein Barbetrieb mit DJ Tommy zur Kioskparty lockte.

Genau diese Vielfalt spiegle sich auch unterm Jahr im Schlossbad wider: „Auf kurzen Wegen kann man hier nach der Arbeit in der mittlerweile seltenen 50-Meter-Bahn trainieren und gleichzeitig auch einfach mal nur rein kommen und auf der Wiese entspannen“, freute sich Julian Dalmus aus Singen. „Ich war schon als Säugling im Wasser und bin hier im Freibad groß geworden“, blickte die heute 40-Jährige Saskia Müller zurück. Sie ist Ausbildungsleiterin der Remchinger DLRG-Ortsgruppe und verrichtet seit sie 16 ist Dienste bei der Badeaufsicht: „Leider können heutzutage immer weniger Kinder schwimmen – deshalb ist es enorm wichtig, dass Bäder wie unsere erhalten bleiben.“ Die DLRG, die sonst vor allem im Remchinger Hallenbad engagiert ist, unterstützt zusammen mit dem DRK das Freibadpersonal an den Wochenenden bei der Badeaufsicht.

jza

Schwimmen in der Dämmerung war zum 50. Geburtstag des Remchinger Schlossbads möglich. Darüber freuten sich die DLRG-Mitglieder Jonas Westenhoff (von links) und Simon Herzog zusammen mit Stammgast Christoph Engel. Foto: Zachmann
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