Seit 100 Jahren im lebenswichtigen Einsatz für die Mitmenschen
Herzinfarkt, Knochenbruch, Verkehrsunfall: Rund 150 Mal im Jahr – im Schnitt jeden zweiten Tag – schrillt der Alarm bei der Helfer-vor-Ort-Gruppe des DRK Remchingen. Dann zählt jede Minute. Denn ein großer Teil der Alarmierungen sind akute medizinische Notfälle in der Gemeinde. Oft treffen die Ehrenamtlichen als Erste vor Ort ein und nutzen die lebenswichtige Zeit für eine schnelle Erstversorgung bis zur Übergabe an ihre Kollegen der Rettungsdienste. Den langen Weg bis zu diesem ausgeklügelten System, bei dem Ehren- und Hauptamt Hand in Hand ineinandergreift, und die vielfältigen weiteren Aufgaben des DRK Remchingen verdeutlicht ein Blick in die 100-jährige Geschichte, die der Ortsverein am Samstag mit einem großen öffentlichen Jubiläumsabend in der Kulturhalle feierte.
Am 6. Oktober 1926 gründete eine Männerrunde auf Zuruf des Wilferdinger Bürgermeisters Wilhelm Friedirch Schäfer eine Sanitätsgruppe. Schäfer selbst fungierte als Vorsitzender. Wenig später galt es der Chronik nach bei einem Gauturnfest im Ort ganze 123 Leistungen zu erbringen, darunter fünf Schwer- und 24 Mittelverletzte. Mehr schlecht als recht war die Ausstattung über die Kriegsjahre mit Rädertragen oder Pferdegespannen für den Weg ins Pforzheimer Siloah-Krankenhaus. Schulspeisungen und Suchdienste, aber auch Unfallhilfestellen im Zuge des aufkommenden Autoverkehrs kamen hinzu.
„In den Siebzigern hat man bei den Bereitschaftsabenden noch mehr über die Landwirtschaft als über Fachliches gesprochen“, erinnert sich Walter Schneider an seine ersten Jahre im Ortsverein, der 1973 zum ersten Remchinger Verein wurde, „Die Leitstelle rief zu Hause an und man ging mit der Ledertasche los zu den Einsätzen. Bindenwickeln und Stabile Seitenlage war das höchste der Gefühle, an Reanimation war nicht zu denken – das war dem Doktor vorbehalten.“ Unter Karl Kirchenbauer und Werner Engel entwickelte sich der Verein immer weiter, ab 1991 übernahm Walter Schneider den Vorsitz, 2013 Dieter Farr.
Viele engagierte Mitglieder machten das DRK zu einer unverzichtbaren Einrichtung, die nicht nur in Notlagen hilft, sondern über die Rotkreuzfamilie hinaus auch Gemeinschaft pflegt. Aus dem gemeinsamen ärztlichen Bereitschaftsdienst im Söllinger Feuerwehrhaus wurde Mitte der Neunziger die Remchinger Helfer-vor-Ort-Gruppe. 2018 verzeichnete sie fast 300 Alarmierungen. Für ein Aufatmen bei den Ehrenamtlichen sorgte im selben Jahr die Einrichtung einer ständigen hauptamtlichen Rettungswache für den westlichen Enzkreis, provisorisch im Wilferdinger Feuerwehrhaus untergebracht.
Neben einem motivierten Jugendrotkreuz, aktuell geleitet von Larissa Istvan und zahlreichen Sanitätsdiensten des Teams um Bereitschaftsleiterin Celian Schaufelberger, etwa bei Faschingsumzügen, Festivals, Reitturnieren oder im Freibad, gehören Blutspendeaktionen und Seniorenaktivitäten zum festen Programm. Erste-Hilfe-Kurse sorgen nicht nur für eigenen Nachwuchs, sondern bereiten immer wieder auch die Bevölkerung auf den Ernstfall vor. So wäre es im Dezember 1993 wegen Hochwassers fast zur Evakuierung des Altenheims gekommen. Während Corona koordinierte das DRK ein ehrenamtliches Testzentrum. Um Fahrzeuge und Ausstattung vorhalten zu können, liefern neben Spenden jedes Jahr tonnenweise gesammelte Altkleider einen wertvollen Beitrag – auch wenn Müllablagerungen den Ehrenamtlichen immer wieder Probleme bereiten.
Ein Wunsch bleibt jedoch bis heute unerfüllt: „Seit Jahrzehnten ist die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten unser Sorgenkind“, blickt Dieter Farr auf Übungs- und Lagerräume sowie Fahrzeuggaragen verteilt auf drei Standorte in der Gemeinde, „Doch wir geben die Hoffnung auf einen pragmatischen Neubau nicht auf.“ Kaum hat er ausgesprochen, ruft ihn sein Piepser zum nächsten HvO-Einsatz.
jza





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