Seit fünf Jahrzehnten eine heißbegehrte Erfrischung im Sommer
Im Sommer ist es der beliebteste Ort der Remchinger und zahlreicher Besucher aus umliegenden Gemeinden – und das schon seit 50 Jahren: Das Remchinger Schlossbad lockt an heißen Tagen gut und gerne 4.000 Besucher auf einmal, das Jahr über rund 100.000 Besucher in sein erfrischendes Nass, aber auch auf die großzügige Liegewiese. „Wir haben hier ein richtiges Familienbad. Immer wenn ich reinkomme und sehe, was los ist, geht es mir gut“, freut sich Marianne Butz.
Die Wilferdingerin im Unruhestand gehört zu den Stammgästen – und kann sich selbst noch an die Zeit vor der begehrten Freizeiteinrichtung auf Wurzeln der früheren Burg der Herren von Remchingen erinnern: „Früher haben wir in der Pfinz gebadet, bis es verboten war. Da war es ein Highlight, an einzelnen Sonntagen mal mit der Familie nach Durlach oder Niefern zum Bad zu dürfen.“ Erst als Jugendliche hat sie das Schwimmen gelernt: „Wir sind ja vom Land, da war es überhaupt nicht selbstverständlich, mit dem Wasser vertraut zu sein.“
Geändert hat sich das 1974, als die frisch fusionierten Ortsteile Wilferdingen und Singen den Bau eines Freibads angingen. Der damalige Bürgermeister Wolfgang Oechsle führte am 15. Mai 1976 zusammen mit dem Musikverein die Eröffnung des fast vier Millionen D-Mark teuren Großprojekts durch, wenige Tage später folgte ein Volksfest. Ein Jahr später richtete eine Brandstiftung am Kiosk, der Cafeteria und der Wärmehalle einen Schaden von rund einer halben Million Mark an.
Das 50 Meter große, seit einigen Jahren durch das Blockheizkraftwerk auf mindestens 26 Grad Celsius wohltemperierte Becken, ein Nichtschwimmerbecken samt Rutsche, die damals einzigartige Wärmehalle, aber auch Spielflächen, die sich von der einstigen Minigolfanlage über ein Volleyballfeld samt Spielplatz neben dem Baby-Plantschbecken entwickelt haben, stehen hoch im Kurs. Unvergessen bleibt der 2019 zurückgebaute marode Massagepilz, dafür gibt es nun einen heiteren Spraypark für junge Besucher und eine breitere Rutsche gibt. Für Eis, Getränke und Leckereien aus Fritteuse und Grill sorgt der Kiosk.
Einer Erhebung der Gemeinde zufolge sind rund 45 Prozent der Saisonkarteninhaber aus Remchingen, die anderen aus Königsbach-Stein, Pfinztal und anderen Kommunen. „Auch die Bäderkrise in Pforzheim hat uns einige mehr Besucher beschert“, stellt Andreas Ebel fest, der seit 2020 als Betriebsleiter und Bademeister für das Schlossbad verantwortlich ist und davor ein halbes Berufsleben lang für die Pforzheimer Bäder im Einsatz war.
„Im Sommer schließe ich morgens das Bad mit auf und abends wieder ab“, stellt derweil Marion Müller humorvoll ist. Sie gehört nicht etwa zu den Angestellten, aber doch zum Inventar: Die treue Besucherin aus Singen knackte zuletzt mit über 200 Besuchen – an wohlgemerkt nur 120 Öffnungstagen – den Rekord. Zwischen dem Früh- und Spätschwimmen packt die Singenerin im landwirtschaftlichen Lohnunternehmen ihres Mannes, bei der Familie oder der Sauberkeit rund ums Freibad mit an: „Wir sind doch wie eine große Freibadfamilie, deshalb helfen wir gerne ehrenamtlich.“
„Schließlich haben auch unsere Kinder, Enkel und Urenkel hier das Schwimmen gelernt“, freut sich Marianne Butz, die als langjährige Gemeinderätin nicht lange zögern musste bei Beschlüssen zugunsten des Bades, dessen Unterhalt die Gemeinde trotz Eintrittsgelder jährlich gut 700.000 Euro Verluste bereitet. 2019 nahm die Gemeinde vier Millionen Euro für eine Komplettsanierung und Modernisierung in die Hand.
Ein Blick in den Technikraum verdeutlicht, dass hinter dem Job des Fachpersonals weit mehr steckt. Über den Winter kommt die Geländepflege mit dem Bauhof hinzu. DLRG und DRK unterstützen bei der Aufsicht. „Wir haben hier echt tolle, rücksichtsvolle Gäste, die das alles zu schätzen wissen, die sich generationsübergreifend umeinander kümmern und die Arbeit hier zu etwas Besonderem machen. Das ist eine gelebte Gemeinschaft“, freut sich Ebel, der übrigens auch nach Feierabend gerne ins Wasser geht: um bei Schwimmkursen den Kleinsten das Schwimmen beizubringen.
50 Jahre Schlossbad feiert die Gemeinde am Samstag, 1. August ab 14 Uhr mit Torwandschießen, Outdoor-Spielen, Lesung der Bürgermeisterin, Yoga und einer Kunstaktion. Von 18 bis 23 Uhr gibt es dann eine Freibadparty mit Barbetrieb und Pasta-Showküche. Schwimmen ist bis 22 Uhr möglich.
jza





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