Storchennachwuchs in Wilferdingen erfreut sich bester Gesundheit
Früher hatte man den Kindern die frei erfundene Geschichte erzählt, dass der Storch am Wilferdinger „Kindelesbrunnen“ bei den Seewiesenquellen den Nachwuchs des Dorfes ablege – jetzt haben Störche wenige Meter weiter selbst Nachwuchs bekommen: Eine kleine Sensation an der Querspange zwischen Wilferdingen und Nöttingen, die derzeit das Ortsgespräch prägt. Während sich die Weißstorchpopulation im Land in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund von Artenschutzprogrammen deutlich erholt habe, sei in Remchingen in den vergangenen 70 Jahren keine Brut bekannt, erklärte Antje Schultner.
Sie ist ehrenamtliche Storchenbeauftragte für den westlichen Enzkreis und führte am vergangenen Freitag zusammen mit Dr. Stefan Bosch, Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz im NABU-Landesverband, eine Beringung der beiden Jungstörche durch. Behutsam bahnten sich Bosch und sein Sohn Jason im Hubsteiger von Kevin Dennig den Weg zum elf Meter hohen Horst und holten die Kleinen nach unten. Den Beobachtungen von Anwohnerin Tina Dittler nach sind sie etwa fünf Wochen alt. Ende Februar hatte sie den ersten Storch entdeckt, wenig später Klappern gehört und Ende März die Paarung beobachtet, während sich die Störche nach langem wochenlangem Brüten Mitte Mai auf Futtersuche in den umliegenden Wiesen begaben.
„Die Tiere wiegen zweieinhalb Kilogramm und scheinen rundum vital zu sein“, freute sich Bosch. Das Nest sei sauber, er fand lediglich Gewölle der Eltern – unverdauliches Material, das sie in großen Klumpen wieder auswürgen. Darin befand sich Erde der verspeisten Regenwürmer und Teile des Chitinpanzers von Insekten. Bei der Beringung erhielten die Jungstörche eine per Fernrohr erkennbare und weltweit identifizierbare Nummer, mit der die Ornithologen die Bestandsentwicklung beobachten. So hatte Storchenvater Moritz exakt drei Jahre zuvor bei Gaggenau seinen Ring erhalten und war vor Wilferdingen auch bei Versuch beobachtet worden, den Horst auf der Ellmendinger Barbarakirche zu erklimmen, wo es dieser Tage ebenso dreifachen Storchennachwuchs gab.
Da das Geschlecht bei Jungstörchen kaum bestimmbar ist, tauften die Gemeindevertreter den einen auf den Namen Momo – für den zweiten Namen sammelt die Pressereferentin der Gemeinde Alina Di Sannio Vorschläge über die Sozialen Medien. „Das Interesse der Bevölkerung an den Störchen ist enorm“, freute sie sich über 14 000 Personen, die online die Fotos von Anwohnerin Tina Dittler erreicht hatten.
„Es ist ein riesiges Geschenk für uns, dass es geklappt hat“, freute sich Linde Walch über den Nachwuchs auf dem Grundstück ihrer Familie. Ihr verstorbener Mann, der langjährige Gemeinderat Dieter Walch, hatte 2018 zusammen mit Nathalie Kiefer und dem Bauhof den Horst errichtet. Groß war die Freude auch bei Bürgermeister-Stellvertreter Kurt Ebel, zugleich Naturschutzbeauftragter des Enzkreises: „Wir werden alles dafür tun, dass sich die Störche im Gebiet Stockwiesen wohlfühlen und die Eltern wieder kommen, wenn sie im Frühjahr aus dem Süden zurückkehren.“
jza



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