„Treffpunkt B“ wird mit Preis ausgezeichnet
Beim Betreten des Raums schauen viele, ob schon jemand da ist, den sie kennen. Mit der Zeit ist unter den Besuchern eine lebendige Gemeinschaft entstanden, teilweise mit echten Freundschaften. Jeden Mittwochnachmittag kommen sie zusammen, um Kuchen zu essen, ins Gespräch zu kommen und alte Volkslieder zu singen. Alles zwanglos in entspannter Atmosphäre. Treffpunkt B heißt das Angebot, das die Remchinger Diakoniestation inzwischen seit 20 Jahren auf die Beine stellt. Getragen von großem ehrenamtlichem Engagement, soll es Begegnung schaffen und Geselligkeit ermöglichen.
An diesem hochsommerlich warmen Tag sind ein paar Besucher mehr da als sonst, darunter Ute Günther, die beim Diakonischen Werk Baden für Unternehmenskommunikation und Marketing zuständig ist. Sie ist gekommen, um einen Preis zu überreichen. Denn das Projekt der Remchinger Diakoniestation hat es bei einer Abstimmung im Internet mit 636 Stimmen unter mehr als 20 Bewerbern unter die ersten sechs in ganz Baden geschafft. Genauer gesagt auf den vierten Platz. „Wenn mir das am Anfang jemand gesagt hätte, dann hätte ich es nicht geglaubt“, sagt Karl-Heinz Stengel. Der Vorsitzende ist begeistert von dem Rückhalt, den schaffen und Wertschätzung vermitteln. Günther betont: „Was hier geleistet wird, ist sehr wertvoll.“
Angefangen hat alles 2006, als die Diakoniestation ihr neues Gebäude gegenüber der Kulturhalle bezog. Unterstützt von einer Förderung der Aktion Mensch, wollte man damals ein Angebot ins Leben rufen, das Gemeinschaft ermöglicht. Obwohl die Themen Demenz und Einsamkeit bei der Konzeption durchaus präsent waren, hat man sich bewusst für einen neutralen Namen entschieden, um möglichst viele Menschen anzusprechen: Treffpunkt B. Wobei das B für Begegnung steht.
Der Grundstein wurde damals von vier Frauen gelegt, die sich vorher nicht näher kannten, aber sofort bestens verstanden: Marianne Butz, Waltraud Hepp, Mildred Laumann und Wilma Stengel. Bis heute engagieren sie sich, wann immer die Zeit es zulässt: ehrenamtlich und aus Überzeugung. „Man bekommt so viel zurück“, sagt Hepp, die nach 20 Jahren viele berührende Geschichten erzählen kann. Etwa von Gästen, die beim Gehen sagen: „Ich freue mich, wenn es wieder Mittwoch wird.“ Im ehrenamtlichen Team hat jede ihre Aufgabe. Hepp kümmert sich um den Kaffee, der von Hand gefiltert wird. „Die Gäste sagen dann immer: Bei Euch riecht es aber gut.“ Wilma Stengel ist für das Dekorieren der Tische zuständig, immer passend zur Jahreszeit. Denn sie weiß: „Das schafft gleich eine ganz andere Atmosphäre.“ Oft fängt Stengel schon am Vortag mit den ersten Vorbereitungen an. Zu Hause hat sie inzwischen einen ganzen Fundus an Vasen, Figuren und anderen Dekorationsartikeln.
Die Besucher kennen sie und ihre Kolleginnen mit Namen. Viele kommen, bis sie das Haus nicht mehr verlassen können. Inzwischen sind es 35 bis 40 Besucher, die jeden Mittwochnachmittag die Gemeinschaft genießen. In der letzten halben Stunde singen sie alte Lieder, alle paar Wochen mit Begleitung der Veeh-Harfen, manchmal auch von einem Pianisten. Früher hat einer der Teilnehmer auf seinem Akkordeon gespielt, ein anderer hat Musik mit einer alten Handsäge gemacht, doch das ist inzwischen vorbei. Geblieben sind die Kuchen, die die Ehrenamtlichen immer frisch zubereiten, oft nach alten Rezepten. Um die 60 Kuchenbäcker stehen inzwischen auf einer Liste, darunter eine Zehnjährige, die mit ihrer Oma in der Küche steht. Inzwi- schen bietet die Diakoniestation auch einen Fahrdienst an, ebenfalls rein ehrenamtlich.
Die Besucher kommen gern in den Treffpunkt B. Auch Kriemhilde Speidel, die beim Start vor 20 Jahren Kirchenälteste in Singen war und jeden Mittwoch einen privaten Fahrdienst organisiert hat. Zwei Touren hat sie damals gemacht: für die Gäste, die von Singen aus nicht selbst in den Nachbarort Wilferdingen hätten kommen können. Als sie später den Fahrdienst aufgab, blieb sie dem Treffpunkt B weiterhin verbunden: als Gast. „Es ist immer schön, herzukommen.“
Nico Roller
Quelle: Die Informationen und das Foto sind den Gemeindenachrichten Nr. 26/2026 entnommen.

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