Vorleseaktion in Remchingen macht Lust aufs Weiterlesen
Auf dem Schulhof wird normalerweise getollt und gespielt, im Garten gearbeitet und geerntet, ins Sanitärgeschäft geht man, wenn es um die Heizung oder das Wasser geht und im Schuhladen kauft man Schuhe. Auf die Idee, sich an diesen Orten vorlesen zu lassen, kommen wohl die wenigsten. Vielleicht gerade deswegen hat die diesjährige Aktion „Remchingen liiiiiest“ zahlreiche Neugierige in ihren Bann gezogen. Zwei Wochen lang luden Remchingerinnen und Remchinger ein, um an ihren Lieblingsplätzchen aus ihren Lieblingsbüchern zu lesen – vom Kinderbuch über die Autobiografie bis zum Roman.
„Wir wollten schon immer mal dabei sein – dieses Mal haben wir es geschafft und sind gleich mehrere Male gekommen“, freut sich Petra Weichwald mit ihrem Mann Norbert über das kreative und doch ungezwungene Angebot der örtlichen Buch- und Notenhandlung LiteraDur, deren Inhaberin Barbara Casper mit ihrem Team die Aktion auch in Waldbronn und ab dem kommenden Jahr in Karlsbad anbietet. „Was gibt es Schöneres, als es sich gemütlich zu machen und sich vorlesen zu lassen? Oft denkt man beim Vorlesen an Kinder“, stellt Casper fest, „Aber ich habe auch manche erwachsenen Kunden, die sich gegenseitig vorlesen. Auch wenn das viel zu selten passiert.“ Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit stelle sie ein ungebrochenes Interesse fürs Lesen fest, auch wenn der Trend weiter hin zu E-Books gehe.
Sarah Reuter hat beides im Regal stehen: „Für unsere Kinder führt nach wie vor nichts am echten Buch vorbei, für unterwegs ist für die Erwachsenen aber auch das E-Book ganz praktisch.“ Zum Vorlesen hat sich die junge Familienfrau und Unternehmerin aus Wilferdingen, die mit 14 Jahren selbst ein Praktikum in der Buchhandlung absolvierte und jetzt das Schuhgeschäft ihrer Eltern mit weiterführt, für die haptische Variante entschieden. Zwischen den Schuhregalen nimmt sie die gespannten Zuhörer mitten hinein in die Welt des launischen Rollstuhlfahrers Will, der seiner Assistentin Louisa näherkommt. Doch sie verrät nicht zu viel in der dreiviertel Stunde Lesezeit aus dem Bestseller „Ein ganzes halbes Jahr“: „Schließlich soll die Aktion Lust machen, selbst weiter zu lesen.“
jza


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